Ganzheitliche Unternehmensstrategien in Zeiten der Künstlichen Intelligenz
- Dr. Heike Dahlmann

- vor 7 Stunden
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Das oft schon als Modewort eingestufte „ganzheitlich“ nun auch noch auf Unternehmen anwenden zu wollen, mag dem einen als überflüssig, dem anderen als selbstverständlich erscheinen. Beides ist es keineswegs. Ich denke, dass wir in der Unternehmensführung durch die hochgradige und auch unverzichtbare Spezialisierung aller beteiligten Bereiche durchaus manchmal Gefahr laufen, den Blick auf das Ganze zu verlieren oder Dinge einseitig zu betrachten.
DIe Arbeitswelten haben sich in den letzten Jahren umfassend verändert, wir sind flexibler, ortsunabhängiger, aber auch emotional ungebundener geworden. Wir haben riesige Veränderungen in den Unternehmen zum Beispiel durch die Corona-Pandemie gehabt. Besonders die seither zu beobachtende exponentielle Entwicklung der künstlichen Intelligenz erfordert aufs Neue, die Strategien und die tägliche Praxis zu überprüfen und zu überdenken. Im Folgenden möchte ich deshalb die Wichtigkeit ganzheitlicher Unternehmensstrategien aufzeigen, gerade in Zeiten eines in vieler Hinsicht disruptiven Umfelds. Es gilt, viele einzelne Aspekte zu beleuchten und natürlich auch den Mehrwert für Unternehmen herauszustellen, der sich durch die Anwendung einer ganzheitlichen Betrachtungsweise bei der Strategieentwicklung ergibt.
Wieso "ganzheitlich" in der Wirtschaft?
Der Begriff „ganzheitlich“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch am häufigsten in der Medizin oder in verschiedenen auf die Gesundheit bezogenen Bereichen verwendet. Auch dort ist die Erkenntnis gewachsen, wie wichtig es ist, beides zu haben: Einerseits brauchen wir für ein Gebiet bis ins Detail ausgebildete Spezialist/inn/en und andererseits sind allgemein ausgebildete Praktiker/innen unverzichtbar. Die einen beherrschen ihr Fachgebiet und die dazu gehörigen hochspezialisierten Verfahren, die anderen sind in der Lage, die verschiedenen Gebiete miteinander zu verknüpfen und den interdisziplinären Austausch zu fördern.
Ist es in Unternehmen wirklich anders? Ich persönlich sehe deutliche Parallelen: Zunächst glaube ich, dass die Notwendigkeit eines grundsätzlichen Bedarfs an ganzheitlich arbeitenden Gremien besteht. Darin müssen beide Gruppen vorhanden sein: die Spezialist/inn/en ebenso wie mindestens ein/e Generalist/in. In neu zusammenzustellenden genauso wie in bestehenden Teams liegt also der Blick auf der Gruppenzusammensetzung und den persönlichen Fähigkeiten der Beteiligten. Dazu kommt inzwischen noch ein dritter Player: die Künstliche Intelligenz. Ihre Möglichkeiten müssen eruiert und so eingebunden werden, dass sie eine sinnvolle Ergänzung und Arbeitserleichterung für die Menschen darstellt. Daraus ergeben sich dann die Möglichkeiten, ebenso wie die Unzulänglichkeiten, in der täglichen Umsetzung einer ganzheitlichen Arbeitsweise und damit einhergehend einer ganzheitlichen Strategieentwicklung für das Unternehmen.
Der „Unternehmensorganismus“ und seine „Bedürfnisse“
Als medizinisch ausgebildete Person betrachte ich jetzt also ein Unternehmen ähnlich wie einen Organismus. Beide haben besonders lebenswichtige Organe, ohne die es überhaupt nicht geht, und dann viele weitere ergänzende Teile und Funktionen. Letztere sind nicht immer überlebensnotwendig, manchmal aber doch so wichtig, dass es besser ist, ihre Existenz nicht zu vernachlässigen. Jede Einheit benötigt nun ihre ganz speziellen „Nahrungsmittel“, sei es in Form von Informationen und Wissen, von Produktionsmitteln, von Zahlungseingängen oder Krediten - die Liste lässt sich so leicht fortsetzen wie die Vielfalt der Möglichkeiten von Unternehmen und ihren Teilen. Diese Nahrungsmittel für die unterschiedlichen Bedürfnisse des Unternehmens müssen von den Führungsebenen und Entscheidern bereitgestellt werden, damit nachhaltig gewirtschaftet werden kann.
Wo können Führungskräfte also ansetzen?
Über die wichtigsten Organe des Unternehmensorganismus dürfte weitgehend Einigkeit bestehen. Zentral ist natürlich der Kopf, also die Unternehmensleitung oder die Position, bei der alle Fäden zusammenlaufen. Unverzichtbar sind natürlich auch Arme und Beine, wie der Finanzbereich, die Personalabteilung und die jeweiligen produktspezifischen Bereiche. Ohne sie läuft einfach nichts.
Zusätzlich braucht ein Unternehmen jedoch natürlich noch viel mehr.
Aber was ist wirklich wichtig?
Wie wird ausgewählt?
Wer ist für Auswahl und Themen dann zuständig?
Und nicht zuletzt: Wo finden sich überhaupt die notwendigen Informationen, vielleicht sogar die jeweiligen Spezialist/inn/en zum Thema und wer bindet schließlich alles in die Strategie ein?
Sehr spannend wird hier dazu wieder der Punkt, an dem nun die Künstliche Intelligenz ins Spiel kommt. Kann sie uns zu diesen Themen weiterhelfen? Im Vorfeld entstehen sofort weitere Fragen:
Wie und wo kann sie im Unternehmen genutzt werden?
Wie und wo darf sie im Unternehmen genutzt werden?
Wo liegen Chancen und wo die Risiken?
Wer im Unternehmen kennt sich da überhaupt aus?
Was macht die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz mit der Entwicklung des ganzen Unternehmens?
Was sagen Ihre MItarbeitenden dazu?
Um diese zentralen Fragen, die in einer verantwortungsvollen Unternehmensführung alle umtreibt, seien es Aufsichtsrätinnen, Beiräte, Vorstände oder Geschäftsführerinnen, geht es auch hier. Ich habe natürlich ebenfalls keine allgemeingültigen Antworten. Es gibt keine richtigen oder falschen, sondern nur unternehmensspezifische, individuelle Lösungen. Diese können am besten im Austausch gefunden werden, mit anderen Unternehmen, mit den eigenen Mitarbeitenden, mit externen Berater/innen. Nützlich ist es sogar, auch an dieser Stelle die Künstliche Intelligenz zu Rate zu ziehen und die neu gewonnenen Informationen einer kritischen Beurteilung zu unterziehen.
So darf dann, nach Abwägung aller infrage kommenden Parameter, auch schon von einer ganzheitlichen Betrachtung gesprochen werden. Aus diesem ersten Schritt können sich erste Hilfestellungen für eine für das jeweilige Unternehmen sinnvolle Auswahl und passende Beurteilung der Wichtigkeiten ergeben. In der Folge ist dann die Integration nötig für als wichtig eingestufte Themen, auch für die, die als Randgebiete keine/n eigene/n Spezialistin/en im Aufsichts- und/oder geschäftsführendem Gremium haben und brauchen.
Wie sieht es bei Ihnen aus?
Haben Sie diese Fragen für Ihr Unternehmen schon beantwortet?


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